Preisträger

2015 | 2014
2013 | 2012 | 2011 | 2010 | 2009
2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004
2003 | 2002 | 2001 | 2000 | 1999
1998 | 1997 | 1996 | 1995 | 1994
1993 | 1992 | 1991 | 1990 | 1989

 

 

 


2015

Prof. Dr. Oliver Ambacher
Oliver Ambacher ist es gelungen, durch exzellente Grundlagenforschung an Galliumnitrid-Halbleitern Innovationen anzustoßen. Zusammen mit Partnern aus der Industrie haben er und sein Team hocheffiziente Bauelemente für die Mobilfunkelektronik der nächsten Generation entwickelt, die deutlich weniger Energie benötigen. Informationsmaterialien finden Sie unter Aktuelles.


2014

Prof. Dr. Andreas Marx
erhält den Karl Heinz Beckurts-Preis 2014 für seine Forschungs- und Entwicklungsarbeiten auf dem Gebiet der Chemischen Biologie der DNA-Polymerasen. Diese Enzyme sorgen dafür, dass bei einer Zellteilung das Erbmaterial vervielfältigt wird: Die Polymerasen erstellen Kopien der ursprünglichen DNA. Diese können anschließend auf die Tochterzellen verteilt werden. Andreas Marx hat mit seiner Forschung den Grundstein dafür gelegt, dass DNA-Polymerasen gezielt verändert werden können. Dazu ahmt Marx im Labor die Evolution nach: Mit seinem Team hat er Verfahren entwickelt, mit denen sich Polymerasen im Hochdurchsatz auf Veränderungen durchmustern lassen, die sie für bestimmte Anwendungen - etwa für die Frühdiagnose von Krebs – besonders geeignet machen.


2013

Prof. Dr. Markus Gross
erhält den Karl Heinz Beckurts-Preis 2013  für seine herausragenden Beiträge im Bereich
des Visual Computing und den Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Modellierung,
Simulation und Animation. Er hat mit seinem wissenschaftlichen Wirken einen bedeutenden
Zweig der Informationstechnologie geprägt. Gleichzeitig hat er auf eindrückliche Weise
seine industrielle Innovationskraft unter Beweis gestellt – in der Unterhaltungsindustrie
ebenso wie durch mehrere erfolgreiche Firmenausgründungen.


2012

Dr. Uwe Franke, Dr. Stefan Gehrig und Dr. Clemens Rabe
Daimler AG, Sindelfingen
für die Entwicklung einer 6D-Vision: Maschinelles Sehen
in Raum und Zeit


 

2011

 

Prof. Dr. Thomas Wiegand, Dr. Detlev Marpe und Dr. Heiko Schwarz
vom Heinrich-Hertz-Institut, dem Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik, und der Technischen Universität Berlin. Die Wissenschaftler erhalten gemeinsam diese Auszeichnung für maßgebliche Fortschritte auf dem Gebiet der Videokodierung. Sie haben H.264/MPEG4-AVC inklusive einiger Erweiterungen entwickelt, der sich seitdem als internationaler Standard etabliert hat.


 

2010

 

Dr. Stephan Lutgen, Dr. Adrian Avramescu und Dr. Désirée Queren
von der Firma Osram Opto Semiconductors erhalten gemeinsam den Beckurts-Preis 2010 für die Entwicklung hoch effizienter, grün emittierender Laserdioden. Mit ihnen lassen sich erstmals äußerst kompakte Lasersysteme aufbauen, die für Mobiltelefone, Kameras oder Laptops revolutionäre Anwendungen versprechen. Die auch im internationalen Vergleich herausragende Entwicklung bietet ein großes Marktpotenzial, ihre Marktreife wird in Kürze erwartet.

Professor Dr. Peter Hegemann von der Humboldt-Universität zu Berlin, Professor Dr. Georg Nagel von der Universität Würzburg und Professor Dr. Ernst Bamberg vom Max-Planck-Institut für Biophysik
werden für die Entdeckung lichtgesteuerter Ionenkanäle und ihren Einsatz in der Neurobiologie geehrt. Dank ihrer Arbeiten können einzelne Nervenzellen mit Hilfe optischer Signale an- und ausgeschaltet werden. Ihre Entdeckung bietet ein enormes klinisches Potenzial für zahlreiche biomedizinische Anwendungsfelder, z.B. für die Behandlung und Heilung neurologischer Krankheiten wie Parkinson oder Epilepsie.

 

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2009

 

Professor Dr. Franz Josef Giessibl
Inhaber des Lehrstuhls für Experimentelle und Angewandte Physik der Universität Regensburg, erhält den Beckurts-Preis 2009 für die Erfindung und Entwicklung eines Sensors, der Oberflächen mit atomarer Auflösung abtasten kann. Damit wurde die Basis für ein hoch auflösendes Mikroskop geschaffen. Der Sensor wird heute schon in zahlreichen Feldern eingesetzt, so etwa bei der dreidimensionalen Abbildung chemischer Kräfte oder der Messung elektrostatischer Kräfte, die durch die Ladung eines einzelnen Elektrons auf einem bestimmten Atom wirken.

Professor Dr. Eberhart Zrenner
Direktor des Forschungsinstituts für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Tübingen erhält den Beckurts-Preis 2009 für seine herausragenden Forschungsergebnisse in der Forschung, Entwicklung und klinischen Erprobung des weltweit ersten subretinalen elektronischen Netzhautimplantats. Es kann bei erblindeten Menschen Sehleistungen wiederherstellen, die bis hin zur Erkennung von Buchstaben und Wörtern reichen. Dabei wird ein Chip mit 1500 lichtempfindlichen Dioden, Verstärkern und Elektroden unter die Netzhaut eingepflanzt, der das Bild in ein Raster von elektrischen Impulsen umwandelt und über Netzhautneurone an das Gehirn weiterleitet.

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2008

 

Prof. Dr.-Ing. Ahmad-Reza Sadeghi
Universitätsprofessor am Lehrstuhl für Systemsicherheit der Ruhr-Universität Bochum, erhält den Beckurts-Preis 2008 für die Entwicklung von Konzepten zur praktischen Anwendung von Trusted Computing, deren Nutzen sich auch in realen Anwendungen bereits bewiesen hat. Trusted Computing ist eine aufkommende Technologie, die neue Wege eröffnet, um die Sicherheit von Computerplattformen zu erhöhen. Ihr Ansatz ist es, herkömmliche IT-Systeme um vertrauenswürdige Komponenten zu erweitern. Professor Sadeghi erforschte mehrere Teilbereiche des Trusted Computing. Ein von ihm entwickeltes Hauptkonzept bezieht sich auf die so genannte eigenschaftsbasierte Attestierung, welche IT-Systemen ermöglicht, Außenstehende von gegebenen Sicherheitseigenschaften des Systems zu überzeugen. Sehr früh befasste sich die Arbeitsgruppe von Prod. Sadeghi außerdem mit der Analyse und Verbesserung von Trusted Computing Standards. Sie deckte Schwachstellen auf und veranlasste damit die Hersteller der entsprechenden Hardwarebausteine, ihre Spezifikationen zu verbessern. Prof. Sadeghi wirkt als einer der wenigen akademischen Experten bei einer Integration in eine europäische ISO Norm mit. Mit seinen Arbeiten hat er wesentlich dazu beigetragen, die fundamental wichtige Thematik sicherer Betriebssysteme zu stärken. Seine Forschungsergebnisse flossen bereits in eine mittlerweile auf dem Markt erhältliche Sicherheitsplattform ein. Sadeghi ist einer der internationalen IT-Sicherheitsexperten, denen es gelungen ist, in kürzester Zeit ein neues Forschungsgebiet zu etablieren und zugleich einen Technologietransfer zu ermöglichen, bei dem eine neue Schlüsseltechnologie bis hin zur Produktreife umgesetzt werden konnte.

Prof. Dr. Thomas Scheibel
Professor am Lehrstuhl für Biomaterialien der Universität Bayreuth, erhält den Beckurts-Preis 2008 für seine herausragenden Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Biotechnologie, Biochemie und Protein-basierter Materialien. Erstmals konnte dank der Arbeiten von Prof. Scheibel ein außergewöhnliches Naturprodukt, die von Spinnen produzierten Spinnenseidenproteine, auf biotechnologischem Wege hergestellt werden. Dieses in Festigkeit und Dehnbarkeit außergewöhnliche faserförmige Naturmaterial ist stabiler als die meisten Kunstfasern, ist biokompatibel und anti-allergen, hat aber aufgrund fehlender geeigneter Produktionsverfahren bisher noch keinen Einzug in Industrie und Technik gefunden.
Durch ihre innovativen Lösungsansätze konnte die Arbeitsgruppe von Prof. Scheibel nun eine weltweit einzigartige Technologie entwickeln, die eine großtechnische biotechnologische Produktion von - der natürlichen Spinnenseide nachempfundenen - Seidenproteinen ermöglicht und zudem eine Herstellung von Seiden mit definierten Eigenschaften erlaubt. Vor kurzem hat dazu die Firma AMSilk GmbH, eine Ausgründung der Technischen Universität München, deren Mitarbeiter Prof. Scheibel einmal war, ihre Arbeit aufgenommen, um entsprechende Patente zu verwerten und die industrielle Anwendung von Spinnenseide zu entwickeln.
Dies ist der Beginn einer vollkommen neuen Generation von umweltverträglichen und innovativen Werkstoffen, die energiesparend und mit ausgeglichener CO2-Bilanz hergestellt werden können. Der Bedarf dafür ist groß, da die meisten industriell hergestellten Fasern einen beträchtlichen Aufwand an Energie für Produktion und Fabrikation bedeuten.
Die Arbeiten von Prof. Scheibel sind von grundsätzlicher Bedeutung für die Entwicklung und Anwendung maßgeschneiderter Protein-basierter Werkstoffe und neuer Biomaterialien, in der Biotechnologie und der chemischen Industrie.

Prof. Dr. Peter H. Seeberger
Leiter der neu gegründeten Abteilung für Biomolekulare Systeme am Potsdamer Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung erhält den Beckurtspreis 2008 für die Entwicklung neuer Methoden zur automatisierten Synthese komplexer Zucker-Antigene. Antigene sind Stoffe, die von einer Zelle des Immunsystems als körperfremd erkannt werden. Zucker- oder Eiweiß-Antigene treten auf der Zelloberfläche von Bakterien, in der Hülle von Viren, in Allergie auslösenden Pollen oder als Tumorzellen in Erscheinung. Lassen sich mit synthetischen Zuckern gezielt Immunantworten auslösen, so können sie als Wirkstoffkandidaten zur Vorbeugung oder Therapie von Infektionserkrankungen, Entzündungsreaktionen und Krebs dienen.
Mit der automatisierten Kohlenhydrat-Synthese hat Prof. Seeberger die Voraussetzungen für die Weiter- und Neuentwicklung von zuckerbasierten Medikamenten und Impfstoffen geschaffen. Seine Arbeiten haben bereits zu zahlreichen synthetischen Vaccinen geführt, die zuvor aus natürlichen Quellen nicht in ausreichender Menge oder Reinheit isoliert werden konnten. Mit klassischen Synthesetechniken hätte die Erzeugung dieser Vaccine mehrere Jahre gedauert, dank der neuen von Prof. Seeberger entwickelten Methode lassen sie sich nun in wenigen Stunden herstellen. Prof. Seeberger ist Mitbegründer der Firma Ancora Pharmaceuticals, die die von ihm entwickelte Technologie nun anbietet.
Die Grundlagenforschung wie auch die Entwicklung neuer Diagnostika und Wirkstoffe können damit stark beschleunigt werden. Ein Beispiel ist die Impfung mit einem Glykolipid des Malaria-Parasiten, dessen Wirksamkeit von Prof. Seeberger in Tierversuchen nachgewiesen werden konnte. Weitere Beispiele sind die chemische Synthese von Heparin und die Entwicklung eines möglichen Impfstoffes gegen die Tropenkrankheit Leishmaniose.

 

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2007

 

Professor Dr. Thomas Tuschl (Rockefeller University, New York)
erhält den Beckurts-Preis 2007 für seine Arbeiten zur Entwicklung eines bahnbrechenden Verfahrens in der Genforschung, der so genannten RNA-Interferenz, und den darauf basierenden erfolgreichen Patenten. RNA (Ribonukleinsäure) setzt in Zellen genetische Informationen in Proteine um und greift in die Genregulation ein. Mit Hilfe der RNA-Interferenz ist es möglich, einzelne Gene zu deaktivieren („abzuschalten“). Dazu werden kurze RNA-Sequenzen in eine Zelle eingeschleust, wo sie gezielt Teile der RNA zerstören. Die Funktion einzelner Gene kann so besser erforscht werden. Thomas Tuschl entdeckte, dass nicht lange, sondern kurze RNA-Sequenzen eingesetzt werden müssen, um diese gezielte Ausschaltung von Genen in menschlichen Zellen zu erreichen. Dadurch wird verhindert, dass die Immunabwehr der Zellen die RNA-Sequenzen als „Viren“ bekämpft. Auf der Grundlage seiner Forschungsarbeiten entstanden zwei bedeutende Patente, die von mehreren Firmen in Europa und den USA lizenziert wurden und schon zu beträchtlichen Umsätzen führen. Mögliche künftige Anwendungen des Verfahrens liegen in der Behandlung von Tumoren und Erb-krankheiten.

Professor Dr. Axel Ullrich (Max-Planck Institut für Biochemie, Martinsried)
erhält den Beckurts-Preis 2007 für richtungweisende wissenschaftliche Arbeiten, die zur Entwicklung und Zulassung modernster Krebsmedikamente geführt haben. Bereits in den 80er Jahren führten seine Arbeiten zur Entwicklung von Humulin (Humanes Insulin zur Behandlung von Diabetis), dem weltweit ersten mit gentechnischen Methoden entwickelten und biotechnologisch hergestellten Therapeutikum. Durch die Grundlagenforschung von Professor Ullrich konnten zwei weitere Medikamente entwickelt werden, die heute in der Krebstherapie Einsatz finden: Herceptin ® war das erste gentechnisch basierte target-spezifische Krebstherapeutikum, das heute erfolgreich zur Behandlung von metastasierende Mamma-Karzinomen eingesetzt wird. Sutent ® wurde erst 2006 in Europa zugelassen und dient der Behandlung von fortgeschrittenen beziehungsweise mestastasierenden Nierentumoren sowie von gastrointestinalen Stromatumoren (bösartige Weichteiltumore im Verdauungstrakt). Axel Ullrich hat nicht nur in der Grundlagenforschung wesentlich zur Entwicklung der internationalen biotechnologischen Forschung beigetragen, sondern war auch Mitbegründer von vier Biotech-Unternehmen und bereitete so den Weg für den Transfer der Entdeckungen in die Entwicklung von Therapeutika.

 

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2006

 

Professor Dr. Johannes Buchmann (Technische Universität Darmstadt und Mitgründer der Firma FlexSecure GmbH)
für seine Forschungsarbeiten zur langfristigen Sicherheit elektronischer Signaturen und deren praktische Umsetzung. Elektronische Signaturen sind das elektronische Äquivalent zur eigenhändigen Unterschrift in der Computer-Welt, eine Art digitales Siegel. Die elektronische Signatur bestätigt die Echtheit eines Dokuments. Elektronische Signaturen spielen heute eine zentrale Rolle in der Computersicherheit. So wird beispielsweise die Sicherheit von Homebanking-Anwen­dungen oder Gesundheitskarten durch elektronische Signaturen gewährleistet. Auch die Authentizität automatischer Updates von Betriebssystemen wird dadurch gewährleistet. Wer die elektronischen Signaturen fälschen kann ist in der Lage, fast alle Computer dieser Welt lahm zu legen. Die Arbeiten von Professor Buchmann zeigten, dass die Sicherheit der wichtigsten weltweit verwendeten Signaturverfahren nicht garantiert ist: Eine einzige neuartige mathematische Idee kann schlagartig alle elektronischen Signaturen unsicher machen. Deshalb widmete er sich der Erfindung, Erforschung und Implementierung alternativer Signaturverfahren. Außerdem entwickelte er in einem Projekt FlexiPKI (Flexible Public Key Infrastruktur) Werkzeuge, um unsicher gewordene Signaturverfahren schnell gegen neue auszutauschen. Im Jahr 2000 gründete er mit anderen die FlexSecure GmbH, um seine Entwicklungen zu vermarkten. 2003 wurde seine Software FlexiTrust, die den schnellen Austausch kryptographischer Methoden unterstützt, in Kooperation mit T-Systems und dem Deutschen Zentrum für Künstliche Intelligenz bei der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post eingeführt und sichert damit alle qualifizierten Signaturen in Deutschland ab. Auch das Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik verwendet FlexiTrust für die Zertifizierung der ab 2006 gültigen Reisepässe.

Dr. Maximilian Haider (CEOS GmbH, Heidelberg),
Professor Dr. Harald Rose, (früher Institut für Angewandte Physik der Technischen Universität Darmstadt),
Professor Dr. Knut Urban (Direktor am Institut für Festkörperforschung des Forschungszentrums Jülich)
für ihre gemeinsamen bahnbrechenden Arbeiten auf dem Gebiet der Elektronenoptik. Die für diese Technik eingesetzten elektromagnetischen Linsen weisen starke Abbildungsfehler auf, welche in Elektronenmikroskopen zu erheblichen Einschränkungen bei der erreichbaren Auflösung führen. Den drei Preisträgern ist es erstmals gelungen, ein elektromagnetisches Korrekturelement zu entwickeln und zu bauen, das ähnlich einer Brille die Abbildungsfehler der Objektivlinse eines Elektronenmikroskops korrigieren kann. Das von ihnen mit einem solchen Korrekturelement ausgerüstete kommerzielle Elektronenmikroskop erreicht atomares Auflösungsvermögen. Es erlaubt die Beobachtung von Atomarten, beispielsweise Sauerstoff, die bislang der Mikroskopie verschlossen waren und ermöglicht die Vermessung atomarer Struk­turen auf besser als ein Milliardstel Zentimeter genau. Auf der Basis dieses Prototyps haben die großen Elektronenoptik-Firmen in Europa, Japan und den USA eine neue Generation von Elektronenmikroskopen entwickelt. Das aus der Arbeit der Preisträger hervorgegangene Startup-Unternehmen CEOS ist bislang der einzige und weltweit exklusive Lieferant der Korrektursysteme. Das Potenzial der neuen Gerätegeneration für Untersuchungen in der Mikro- und Nanotechnologie oder in den Materialwissenschaften wird für so hoch erachtet, dass in den letzten eineinhalb Jahren seit der Markteinführung nach vorsichtiger Schätzung von Professor Urban weit über hundert Geräte dieser Art mit einem Wert von je 3 bis 4 Millionen Euro verkauft werden konnten.

 

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2005

 

Prof. Dr. Friedrich Kremer (Leipzig)
für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Polymere, insbesondere dem Verhalten in Flüssigkristallen und extrem dünnen Schichten. Dafür hat er spezielle Messsysteme und neuartige Sensoren entwickelt, mit der so genannten dielektrischen Spektroskopie erst möglich wurde. Über eine Firma wurde diese zur Marktreife entwickelt und nimmt inzwischen eine marktbeherrschende Stellung ein.

Prof. Dr. Arne Skerra (München-Weihenstephan)
für seine Arbeiten auf dem Gebiet der molekularen Biotechnologie. Ihm gelang die Entwicklung einer neuen Klasse von Biomolekülen, so genannter Anticaline. Diese Antikörper haben weit reichende Anwendungen in Medizin, Biotechnologie und Bioanalytik. Sie eröffnen auch neue humantherapeutische Anwendungen.

Prof. Dr. Clemens Zierhofer (Innsbruck)
für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Hörprothesen. Ihm gelang es, elektronische Implantate zu entwickeln, bei denen in der Hörschnecke mehrere Stimulationsorte, so genannte Kanäle, zugleich angeregt werden. Durch eine spezielle Aufbereitung des Hörsignals wurden die Implantate so weit optimiert, so dass sie auch in geräuschvoller Umgebung gut funktionieren, sowohl bei Sprache als auch beim Hören von Musik.

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2004

 

Professor Dr. Markus Amann
(Lehrstuhl für Halbleitertechnologie, Technische Universität München) und
Dr. Markus Ortsiefer
(Technischer Direktor der VERTILAS GmbH in Garching)
erhalten den Karl Heinz Beckurts-Preis 2004 für ihre richtungsweisenden Arbeiten auf dem Gebiet der optischen Sensorik und Datenübertragung sowie deren industriellen Umsetzung. Amann und Ortsiefer entwickelten in beeindruckend kurzer Zeit neuartige oberflächenemittierende Laserdioden in dem für die faseroptische Nachrichtenübertragung, die Gasanalyse und die Umweltmesstechnik besonders wichtigen nahen Infrarotbereich. Herkömmliche Laserdioden können Wellenlängenbereiche oberhalb 1,5 Mikrometern nicht abdecken; mit den von Amann und Ortsiefer entwickelten und von VERTILAS gefertigten Laserdioden stehen heute hochwertige Laserdioden im Wellenlängenbereich von 1,3 bis 2 Mikrometern zur Verfügung. Weltweit konnte mit dieser patentierten Entwicklung sofort eine führende Stellung im Bereich der Oberflächenemitter erzielt werden. Die VERTILAS GmbH wurde im Dezember 2001 gegründet und beschäftigt inzwischen 13 Mitarbeiter.

Professor Dr. Gerhard Höfle
(Leiter der Abteilung Naturstoffchemie) und
Professor Dr. Hans Reichenbach
(ehemaliger Leiter der Abteilung Naturstoffbiologie, Gesellschaft für Biotechnologische Forschung in Braunschweig)
erhalten den Karl Heinz Beckurts-Preis 2004 für ihre exzellenten Arbeiten in der Naturstoffforschung. Die Arbeiten Höfles und Reichenbachs auf dem Gebiet der Sekundärmetaboliten aus Myxobakterien ermöglichten die Erschließung neuartiger Naturstoffklassen, die zum Beispiel bei der Behandlung verschiedener Krebsarten zum Einsatz kommen können. Die einmalige Kenntnis und das beharrliche Arbeiten Reichenbachs mit den schwer zugänglichen Myxobakterien haben die Untersuchungen Höfles, eines der erfolgreichsten Naturstoffchemiker unserer Zeit, überhaupt erst möglich gemacht. Eine prominente, von Gerhard Höfle entdeckte, neuartige Naturstoffklasse sind die Epothilone, die zukünftig als Antitumormittel Anwendung finden sollen. 1995 wurde Epothilon zum "Molekül des Jahres" gekürt, nachdem gezeigt wurde, dass es auch bei Tumorzellen Wirkung zeigte, die resistent gegen andere Zytostatika waren. Gemeinsam mit einem Industriepartner, Bristol-Myers-Squibb, stellt Höfle ein Epothilon-Präparat für die Behandlung von Brustkrebs her, das momentan in der letzten klinischen Prüfungsphase ist.

Professor Dr. Hans Lehrach
erhält den Karl Heinz-Beckurts-Preis 2004 für seine überragenden Leistungen auf dem Gebiet der Genomforschung. Als einer der Koordinatoren des deutschen Humangenomprojekts, Mitglied im internationalen HUGO-Komitee und Vorsitzender des Fachbeirats der Deutschen Ressourcenzentrum für Genomforschung GmbH, war er maßgeblich an der Entzifferung des menschlichen Genoms beteiligt. Hierbei sind sowohl seine wissenschaftlichen Leistungen als auch seine Aufgabe als Projekt-Koordinator zu nennen. Basis hierfür sind Lehrachs langjährige Forschungsaktivitäten im Bereich der Genomanalyse; im besonderen Maße seine Arbeiten zur systematischen Genomanalyse mit Hilfe von innovativen Hochdurchsatztechnologien, vor allem der Microarray-Technik, und der Bioinformatik. Er gilt als einer der Pioniere auf dem Gebiet der Entwicklung von Gen-Chips. Unter den zahlreichen Ausgründungen, an denen Hans Lehrach maßgeblich beteiligt war, ist auch die 1997 gegründete GPC Aktiengesellschaft "Genome Pharmaceuticals Corporation". Sie ist eine der ersten Ausgründungen aus dem Deutschen Humangenomprojekt und ein beeindruckendes Beispiel, wie neu gewonnenes Grundlagenwissen zeitnah in eine kommerzielle Nutzung fließen kann.

 

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2003

 

Professor Dr. Michael Karas
(Fachbereich Chemische und Pharmazeutische Wissenschaften der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt) und
Professor Dr. Franz Hillenkamp
(Institut für Medizinische Physik und Biophysik der Universität Münster)
erhalten den Karl Heinz Beckurts-Preis 2003 für ihre revolutionierenden Arbeiten auf dem Gebiet der Massenspektrometrie. Die von Karas und Hillenkamp entwickelte Methode MALDI zählt zu den fundamentalen methodischen Entwicklungen der Bioanalytik und hat die modernen Biowissenschaften revolutioniert. Durch MALDI steigt einerseits die Signalintensität, andererseits wird die Fragmentierung der komplexen organischen Moleküle vermieden. Schon kurz nach der erfolgreichen Entwicklung konnte das neuartige Verfahren weltweit in Forschungs- und Industrielaboratorien eingesetzt und entsprechende Massenspektrometer kommerziell angeboten werden. Es ist somit ein hervorragendes Beispiel für die schnelle Umsetzung von der Grundlagenforschung in innovative Technologie und nicht zuletzt in Arbeitsplätze bei der deutschen forschenden Industrie.

Professor Dr. Thomas Lengauer
(Max-Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken)
erhält den Beckurts-Preis für seine überragenden und richtungsweisenden Arbeiten auf dem Gebiet der Grundlagenforschung in theoretischer und angewandter Informatik. In eindrucksvoller Weise demonstrierte Lengauer den Weg von der Grundlagenforschung über die Realisierung und Umsetzung der Ideen bis hin zur Anwendung weltweit genutzter Software und kommerziell erfolgreicher Produkte. Aufgrund der interdisziplinär angelegten Arbeiten hat Lengauer Brücken geschlagen zu anderen Fächern wie der Elektrotechnik, der Chemie und Biologie. Es gelang ihm, effiziente und innovative Verfahren zu entwickeln, die im Bereich der Bioinformatik heute zu den wichtigsten Methoden zählen. Dazu gehören unter anderem die Strukturvorhersage für Proteine und ein Verfahren, mit dem man Datenbanken nach potenziellen Wirkstoffmolekülen für bestimmte Zielmoleküle durchsuchen kann und das in der pharmazeutischen Industrie Anwendung findet.

Dr. Wilma K. Weyrather,
Dr. Michael Krämer und
Privatdozent Dr. Michael Scholz

(Gesellschaft für Schwerionenforschung in Darmstadt)
erhalten den Beckurts-Preis für ihre exzellenten Arbeiten auf dem Gebiet der Tumortherapie mit Ionenstrahlen. Weyrather, Scholz und Krämer erarbeiteten dafür die biologische Grundlage in Experimenten, setzten diese in ein theoretisches Modell um und integrierten die Ergebnisse in die Bestrahlungsplanung für Tumorpatienten. Die neuartige biologiebasierte Bestrahlungsplanung erzielte für inoperable und strahlenresistente Tumore Erfolge, die die anderer Therapien weit übersteigen. Bei keinem der bisher bestrahlten 150 Patienten konnte ein Wiederauftreten des Tumors innerhalb der bestrahlten Region beobachtet werden. Aufgrund der hervorragenden klinischen Ergebnisse können ab dem Jahr 2006 in dem in Bauvorbereitung stehenden Schwerionentherapiezentrum in Heidelberg Tumorpatienten in größerem Maßstab behandelt werden.

 

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2002

 

Professor Dr. Christoph Bräuchle
(Lehrstuhl für Physikalische Chemie der Ludwig-Maximilians-Universität München)
erhält den Karl Heinz Beckurts-Preis 2002 für seine Arbeiten auf dem Gebiet bildgebender Verfahren zur Visualisierung von Virus-Infektionen. Mit Hilfe seines revolutionären Verfahrens kann der Infektionsweg einzelner Virusteilchen in lebenden Zellen direkt verfolgt werden. Viren werden mit einer molekularen "Lampe" versehen und durch Einzelmolekül-Fluoreszenzmikroskopie abgebildet.

Dr. Stefan Hell
(Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie Göttingen)
erhält den Karl Heinz Beckurts-Preis für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Mikroskopie. Seine Entwicklungen führten zu bahnbrechenden Ergebnissen: in der Lichtmikroskopie konnte die über viele Jahrzehnte unverrückbare Auflösungsgrenze um das Vielfache überwunden werden. Jetzt können auch Strukturen im 10 Nanometer-Bereich aufgelöst werden. Insbesondere für die Biologie eröffnet dies neuartige Beobachtungsmöglichkeiten.

Dr. Walter Krenkel
(Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt Stuttgart)
erhält den Karl Heinz Beckurts-Preis für seine Arbeiten auf dem Gebiet der keramischen Verbundwerkstoffe. Er entwickelte das so genannte Flüssigsilicierverfahren zur Herstellung keramischer Verbundwerkstoffe. Ursprünglich für zukünftige Raumtransporter entwickelt, gilt es heute als das vielversprechendste Herstellungsverfahren für keramische Industrieprodukte; eine Vielzahl erfolgreicher Bremsentwicklungen wurden bereits durchgeführt.

 

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2001

 

Prof. Dr. Wolfgang Baumeister
(München)
erhält den Karl Heinz Beckurts-Preis für seine Arbeiten zur Entwicklung der Elektronentomographie, einer Methode, die vor allem die zelluläre Strukturbiologie revolutionieren wird. Zusammen mit seinen Mitarbeitern hat er in mehr als 10 Jahren systematischer Arbeit den Nachweis geliefert, dass in Eis eingebettete Zellorganellen oder ganze Zellen, die weder chemisch fixiert noch kontrastiert sind, mit molekularer Auflösung dreidimensional rekonstruiert werden können. Die von ihm mit seinen Mitarbeitern entwickelten Mustererkennungsverfahren ermöglichen es, Proteinkomplexe bekannter Struktur in den Volumina ganzer Zellen zu identifizieren und zu‘ lokalisieren. Damit liefert die Elektronentomographie Einblicke in die supramolekulare Organisation der Zelle. Professor Baumeisters erfolgreiche Bemühungen um den Technologietransfer sind durch langjährige Zusammenarbeit mit einem Hersteller von Elektronenmikroskopen und einer Ausgründung aus seiner Arbeitsgruppe belegt.

Dr. Karsten Buse
(Bonn)
erhält den Karl Heinz Beckurts-Preis für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Angewandten Optik. Vor allem bei der Untersuchung photorefraktiver Kristalle hat er bahnbrechende wissenschaftliche Ergebnisse erzielt. Zu den herausragenden Ergebnissen gehört ein Modell, das alle physikalischen Mechanismen und Phänomene der Photorefraktion korrekt vorhersagt und die optische Fixierung von Volumenhologrammen in photorefraktiven Kristallen. Photorefraktive Kristalle werden als schmalbandige Wellenlängenfilter in der Telekommunikation eingesetzt. Sie spielen als sogenannte durchstimmbare Multiplexer eine ganz wesentliche Rolle beim Aufbau künftiger Glasfasernetze. Herr Buse nimmt an der Entwicklung dieses interessanten Marktes aktiv mit der von ihm an führender Stelle mitgegründeten Firma "Ondax" teil, die innerhalb sehr kurzer Zeit eine gute Marktposition erreicht hat.

 

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2000

 

Prof. Dr. Günter Kappler
(Technische Universität München)
erhält den Karl Heinz Beckurts-Preis für seine umfassende Transferleistung wissenschaftlich-technischer Vorarbeiten als Ordinarius des Lehrstuhls für Flugantrieb der Technischen Universität München in die industrielle Umsetzung zur erfolgreichen Entwicklung einer Flugzeugtriebwerksfamilie. Auf der Basis von Grundlagenforschungen zur Entwicklung schadstoffarmer Verbrennungsverfahren und reaktionskinetischer Untersuchungen entstand die Konzeption einer Triebwerksfamilie für Geschäftsreiseflugzeuge.
Als Geschäftsführer der 1990 gegründeten BMW RolIs Royce GmbH gelang ihm mit Hilfe eines internationalen Teams von etwa 800 Ingenieuren innerhalb weniger Jahre die hochinnovativen Triebwerke bis zur Serienreife und Flugzulassung zu entwickeln. Die neue Triebwerksfamilie konnte sich sofort gegen die starke internationale Konkurrenz behaupten und ist weiter auf dem Markt erfolgreich.

Prof. Dr. Andreas Plückthun
(Universität Zürich)
erhält den Karl Heinz Beckurts-Preis für herausragende Arbeiten zur gezielten Synthese von Antikörpern. Durch seine grundlegenden Arbeiten zum ,,Protein-Engineering" ist es ihm gelungen, neue Methoden zur Herstellung von Antikörpern zu entwickeln, die zunehmend für neuartige diagnostische und therapeutische Anwendungen benötigt werden. Mit neuen Methoden der kombinatorischen Biologie konnte er die Voraussetzungen für eine vollsynthetische humane Antikörperbibliothek schaffen. Die von ihm 1992 mitgegründete Firma MorphoSys ist eines der ersten und erfolgreichen Beispiele für die kommerzielle Umsetzung der Gentechnologie durch neue Unternehmensgründungen in Deutschland.

Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Wahlster
(Deutsches Forschungszentrum für künstliche Intelligenz Saarbrücken)
erhält den Karl Heinz Beckurts-Preis für seine herausragenden Leistungen auf dem Gebiet der Sprachtechnologie, die auf einer engen Verbindung von Informatik und Linguistik basieren. Seine richtungsweisenden Arbeiten haben die Mensch-Technik-Interaktion für den Endanwender vereinfacht und verbessert. Die von ihm und seiner Arbeitsgruppe entwickelten natürlichsprachlichen Dialogsysteme mit dynamischer Benutzermodellierung können bestehende Hemmschwellen von Computerlaien bei der Nutzung der lnformationstechnologie abbauen und leisten so einen wichtigen Beitrag zur Nutzerfreundlichkeit der Technik in der Wissensgesellschaft. Der gelungene Transfer der neuartigen Verfahren zur maschinellen Verarbeitung von Spontansprache und zur automatischen Multimediagenerierung hat zu zahlreichen neuen Produkten und Firmengründungen geführt.

 

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1999

 

Prof. Dr. Heinz-Otto Peitgen
(Bremen)
für seine Arbeit zur segmentorientierten Chirurgie. Ziel seiner Arbeiten zur Leberdiagnose ist es, Lebertumoren, die mit einem der bildgebenden Verfahren der Medizin entdeckt wurden, in ihrer Lage genau zu beschreiben. Das medizinische Entscheidungsproblem, welche Teile der Leber der Chirurg verletzen muß, um den Tumor zu finden und zu entfernen, wird dabei auf das mathematisch anspruchsvolle Segmentationsproblem zurückgeführt. Die von Herrn Peitgen und seiner Arbeitsgruppe entwickelten Rechenverfahren führen zu dem ersten kompletten radiologischen «Software-Assistenten» für den Chirurgen. Da mit seiner Hilfe die Operation genau geplant werden kann, konnten mit seiner Hilfe bislang unoperable Lebertumore erfolgreich entfernt werden.

Prof. Dr. Roland Wiesendanger
(Hamburg)
für die Weiterentwicklung der Rastertunnelmikroskopie und der damit verbundenen Untersuchungsverfahren. Sie machen das Rastertunnelmikroskop - das unter Ausnutzung des quantenmechanischen Tunneleffekts eine Oberfläche bis zu 10 millionenfach vergrößert abbilden kann - zu einer hochpräzisen Sonde. Mit ihrer Hilfe lassen sich unterschiedlichste Materialien und Oberflächen auf atomarer Skala sichtbar machen und sogar verändern. Gewünschte Strukturen können so maßgeschneidert aus kleinsten Einheiten, aus einzelnen Atomen, aufgebaut werden. Die Methoden und Geräte, die in Prof. Wiesendangers Arbeitsgruppe und häufig in Zusammenarbeit mit der Industrie entwickelt wurden, ebenen damit den Weg in die Nanotechnologie, eine der Zukunftstechniken des 21. Jahrhunderts.

Prof. Dr. Lothar Willmitzer
(Golm)
für richtungsweisende Arbeiten in der pflanzlichen Gentechnologie und der molekularen Pflanzenphysiologie. Seine Forschung umfasst die Aufklärung von Stoffwechselwegen, die Entdeckung von Genaktivierung und -kontrolle, sowie die Entwicklung von Strategien zur gezielten Ausschaltung von Genen bei Pflanzen. Die von Willmitzer geschaffenen Grundlagen haben ein tieferes Verständnis der Pflanzenphysiologie ermöglicht und mündeten 1994 in seiner Berufung an das neu gegründete Max-Planck-Institut für molekulare Pflanzenphysiologie. Die Fähigkeit des Preisträgers, die gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse in wirtschaftlich realisierbare Konzepte fließen zu lassen, führte neben der Gründung zweier Firmen zu einer Erweiterung der Biotechnologie um einen grünen, einen pflanzlichen Zweig.

 

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1998

 

Prof. Dr. Lutz Claes
(Ulm)
für die Entwicklung von Hilfsmaßnahmen für Menschen mit erkranktem Bewegungsapparat. Hierzu gehören unter anderem Stifte aus Polylaktid, mit denen Knochenbrüche verbunden werden. Die sich im Körper auflösenden Stifte können die operative Entfernung des Implantats überflüssig machen. Eine von ihm entwickelte Hüftgelenksprothese soll dem Problem sich lockernder Prothesen entgegenarbeiten. Diese Entwicklungen bzw. Weiterentwicklungen verbessern die Patientenversorgung und bieten damit den beteiligten Firmen gesteigerte Wettbewerbsvorteile.

Prof. Dr. Christoph von der Malsburg
und Prof. Dr. Werner von Seelen
(Bochum)
für ihre Arbeiten zur Hirnforschung und deren Übertragung auf intelligente technische Systeme. Beispiele sind das maschinelle Erkennen von Gesichtern, etwa zur automatisierten Zugangskontrolle in Sicherheitsbereichen oder - für kriminalistische Zwecke - die weltweit erste computergestützte Lichtbilddatenbank. Anhand eines Phantombildes, Fotos oder Videofilm-Ausschnitts kann sie Gesichter vollautomatisch vergleichen und identifizieren. Ein weiteres Beispiel ist die Steuerung mobiler Roboter, die sich visuell orientieren - lernfähige Maschinen, die in einer natürlichen Umgebung komplexes Verhalten zeigen sollen. Beide Wissenschaftler haben ihre Arbeiten mit industriellen Partnern in konkrete technische Anwendungen umgesetzt.

Prof. Dr. Jürgen Wolfrum
(Heidelberg)
für die Entwicklung von Meßverfahren mit Hilfe von Laserlicht, wie z.B. die Nutzung von Laserstrahlen zur Untersuchung von Verbrennungsprozessen. Die beteiligten Stoffe lassen sich durch Laserlicht spezifisch anregen und damit beobachten. So gewinnt man ein genaues Bild der hochkomplexen chemischen Prozesse. Anwendung fand dies - in Zusammenarbeit mit Industrieunternehmen - zur Untersuchung der unerwünschten Stickoxid-Bildung in Automotoren oder zur Prozeßsteuerung bei der Müllverbrennung. Die Laserdiagnostik wird hier zur genauen Einstellung der Luftzufuhr benutzt. So lassen sich Schadstoffemissionen verringern und Energiegewinn erhöhen. Stets vereinigen seine Arbeiten grundlagenorientierte Forschung mit direkter technischer Anwendung.

 

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1997

 

Prof. Dr. Wilhelm Barthlott
(Bonn)
für die Untersuchung des Anti-Haftmechanismus an pflanzlichen Oberflächen und ihre Anwendung in der Entwicklung neuer - unverschmutzbarer - Werkstoffe.
Die Ergebnisse botanischer Grundlagenforschung haben ergeben, daß z.B. die Blätter der Lotusblume nicht nur vollkommen unbenetzbar mit Wasser sind, sondern daß an ihnen auch keinerlei Schmutzpartikel festhaften können. Rauhe Oberflächen bleiben erstaunlicherweise sauberer als glatte, wenn bestimmte Strukturen beibehalten werden. Der «Nachbau» dieser unverschmutzbaren Oberflächen soll zu neuen Verfahren in der Herstellung von Lacken, Fassadenbeschichtungen und Dachbedeckungen führen.

Prof. Dr. Karl Joachim Ebeling
(Ulm)
für die Entwicklung neuartiger Vertikallaserdioden für die optische Datenübertragung. Anders als übliche Laserdioden senden diese Vertikallaserdioden das Laserlicht nicht seitlich, sondern aus der Oberfläche. Dies ermöglicht wesentlich einfacher handhabbare und billigere Anwendungen. Die weltweite Entwicklung der Vertikallaserdioden wurde maßgeblich mitbestimmt und ist inzwischen eng in die Entwicklung eines Prototyps in einem Industrieunternehmen eingebunden. Die deutsche Industrie wird in die Lage versetzt, konkurrenzfähige Produkte mit Vertikallaserdioden anzubieten.

Prof. Dr. Brigitte Wittmann-Liebold
und Dipl.-Ing. Christian Wurzel
(Berlin und Teltow)
für die Entwicklung eines Analysesystems, mit dem kleinste Mengen von Proteinen und Peptiden untersucht werden können. Mit Hilfe dieses Systems ist es möglich, mit geringsten Mengen an Gewebeproben bestimmte Krankheiten und ihre verschiedenen Stadien zu erkennen. Statt bislang 30 bis 150 Milligramm genügen schon Mikrogramm für eine Untersuchung. Der hierfür entwickelte Mikrochip wurde bereits patentiert und soll zur Marktreife gebracht werden.

 

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1996

 

Prof. Dr. Timm Anke
(Kaiserslautern)
und Prof. Dr. Wolfgang Steglich
(München)
erforschten bislang unbekannte Naturstoffe aus Pilzen. Bei ihrer Suche nach neuartigen Molekülen mit ungewöhnlichen Eigenschaften wollten sie klären, ob sich Pilz-Inhaltsstoffe als Arznei- oder Pflanzenschutzmittel eignen oder als Vorbilder für synthetische Varianten dienen können. Der gelungene Transfer von der Hochschule zur industriellen Anwendung hat inzwischen zu einer völlig neuen Stoffklasse von Agrarfungiziden geführt.

Prof. Dr. Gerd Hirzinger
(Oberpfaffenhofen)
entwickelte Sensortechniken und Steuerungsverfahren für Roboter mit breitem Einsatzspektrum: Leistungssteigerung bei Industrierobotern, Steuerung eines Roboters im Weltraum oder Einsatz im medizinischen wie auch im 3D-graphischen Bereich. Hier fand Technologietransfer aus einer Großforschungseinrichtung in idealer Weise statt.

Prof. Dr. Wolfgang Schlegel
(Heidelberg)
entwickelte neue Verfahren zur Strahlenbehandlung von Tumorpatienten. Er hat die modernen und leistungsfähigen Diagnose-Verfahren der Magnetresonanz- und Positronenemissions-Tomografie für die dreidimensionale Tumorbestrahlung nutzbargemacht und damit eine neue Qualität in der Bestrahlungsplanung erreicht.

 

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1995

 

Prof. Dr. Hermann Bujard
(Heidelberg)
hat Untersuchungen zum Mechanismus der Genwirkung durchgeführt, mit denen es möglich wurde, Gene höherer Organismen mit bakteriellen Schaltern zu versehen. Es ist zu erwarten, daß dank dieser Arbeit die somatische Gentherapie einen neuen Entwicklungsschub erleben wird.

Dr. Arnd Greiling und
Dr. Wolfgang Stolz

(Marburg/Lahn)
entwickelten neuartige, wesentlich verbesserte Ausgangssubstanzen zur Herstellung von III/V Halbleiterbauelementschichten. Das verbesserte Ausgangsmaterial ist erheblich weniger giftig als das bisher verwendete. Es wurden insbesondere der Wissenstransfer von der Universität zur industriellen Nutzung gewürdigt.

Dr.-Ing. Helmut Klausing
(München)
hat entscheidende Arbeiten bei der Entwicklung eines hochauflösenden Radars für Hubschrauber geleistet. Sie bieten einen Lösungsweg für ein bis heute ungelöstes Problem, den Allwetter-Einsatz von Hubschraubern. Die Entwicklung wird als Musterbeispiel für Technologietransfer aus einer Forschungseinrichtung in die industrielle Innovation angesehen.

 

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1994

 

Prof. Dr. Kurt Mehlhorn
(Saarbrücken)
sind herausragende wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der Datenstrukturen und Algorithmen zu verdanken, die auch in die industrielle Praxis umgesetzt wurden. Wichtige Anwendungsgebiete werden heute von diesen Arbeiten wesentlich mitgeprägt.

Dipl.-Phys. Stefan Miltenyi
(Bergisch-Gladbach)
und Prof. Dr. Andreas Radbruch
(Köln)
haben gemeinsam neue Verfahren zur Analyse und Isolierung einzelner, vor allem seltener Zellen entwickelt, die von großer diagnostischer und therapeutischer Bedeutung sind und in Deutschland und den USA industriell verwertet werden.

Prof. Dr. Frieder Scheller
(Potsdam)
hat wegweisende Arbeiten auf dem Gebiet der Biosensoren aufzuweisen. Er steht für eines der seltenen Beispiele eines gelungenen Ost-West-Technologietransfers in der Vorwendezeit und ist auch weiterhin sehr erfolgreich um die wirtschaftliche Verwertung seiner Entwicklungen bemüht.

 

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1993

 

Prof. Dr. Klaus Brockhoff
(Kiel)
hat den Forschungs- und Entwicklungsbereich (FuE) der Industrie betriebswirtschaftlich analysiert und die Wechselwirkung zwischen diesem Bereich und dem Rest des Unternehmens offengelegt. Seine Arbeiten bedeuten einen Durchbruch bei der Überwindung der Schnittstelle zwischen FuE und Produktion.

Dr. Jens Frahm
(Göttingen)
hat Verfahren der kernmagnetischen Resonanz-Spektroskopie entwickelt, die in der Medizin über die anatomische Darstellung hinausgehend völlig neuartige Einblicke in metabolische und funktionelle Vorgänge im lebenden Organismus ermöglichen. Viele wichtige medizinische Anwendungen sind durch seine wissenschaftlichen Beiträge geprägt.

Prof. Dr. Herbert Gajewski
(Berlin)
hat Techniken zur mathematischen Modellierung, zur analytischen Behandlung und zur numerischen Simulation von naturwissenschaftlichen und technischen Prozessen entwickelt, die sowohl in der Wissenschaft als auch ganz besonders in der Industrie beim Entwurf elektronischer Bauelemente mit großem Nutzen eingesetzt werden.

 

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1992

 

Prof. Dr. Peter H. Seeburg
(Heidelberg)
hat zum ersten Mal ein menschliches Hormon, das Wachstumshormon, im Labor gentechnisch synthetisiert und das Verfahren zur industriellen Reife entwickelt. Damit und mit weiteren Arbeiten ist es Herrn Seeburg gelungen, auf dem Gebiet der Gentechnik Brücken von der Grundlagenforschung zur industriellen Praxis zu schlagen.

Prof. Dr. Dieter Seitzer
(Erlangen)
ist durch Arbeiten zur Datenreduktion von digitalisierten Signalen und zu deren mikroelektronischer Realisierung für Anwendungen im Audio- und Videobereich hervorgetreten. Ein entscheidendes Element war dabei die Berücksichtigung der physiologischen Eigenschaften der Sinneskanäle.

Prof. Dr. Sigmar Wittig
(Karlsruhe)
hat sich durch grundlegende Arbeiten auf dem Gebiet der Gasturbinenentwicklung ausgezeichnet. Dabei ging es um gute Ausnutzung der Primärenergie, Minimierung der Schadstoffemissionen und Optimierung der Werkstoffe. Er hat damit ganz wesentlich zum Einsatz der Gasturbine in der Kraftwerkstechnik beigetragen.

 

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1991

 

Prof. Dr. Hans-Herbert Brintzinger
(Konstanz)
und Prof. Dr. Walter Kaminsky
(Hamburg)
haben mit grundlegenden Arbeiten über lösliche Ziegler-Katalysatoren einerseits einen entscheidenden Beitrag zum Verständnis ihrer Wirkungsweise geleistet und andererseits neue Katalysatoren entwickelt, mit deren Hilfe die Polymerisation von Alpha-Olefinen in homogener Phase gelang.

Prof. Dr. Hans Georg Musmann
(Hannover)
hat mit grundlegenden Arbeiten über Quellencodierung für die digitale Nachrichtenübertragung, die sich auch in wichtigen internationalen Standardisierungsempfehlungen niedergeschlagen haben, einen bedeutenden Beitrag zur modernen Nachrichtentechnik geleistet.

Dr. Dietmar Temmler
(Frankfurt/Oder)
hat ein innovatives Verfahren zur Herstellung von Silizium-Speicherzellen entwickelt, dessen Kern die Entkopplung der logischen Funktion und der Speicherfunktion ist. Dieses Verfahren hat die Chance, eine wichtige Rolle in der industriellen Fertigung zu spielen.

 

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1990

 

Prof. Dr. Gerd Herziger
(Köln)
hat mit seinen grundlegenden Arbeiten auf dem Gebiet der Lasertechnik und des Einsatzes von Laseranlagen und -verfahren in der Fertigungstechnik das Bild der Lasertechnik in der Bundesrepublik ganz wesentlich mitgeprägt.

Prof. Dr. Karl-Heinz Hoffmann
(München)
und Prof. Dr. Martin Grötschel
(Berlin)
haben ein über die Grenzen Deutschlands hinaus bekanntes Institut an der Universität Augsburg aufgebaut, in dem sie und ihre Mitarbeiter mit großem Erfolg mathematische Methoden, vor allem für die industrielle Praxis, entwickelt haben.

Prof. Dr. Dieter Oesterhelt
(München)
entdeckte, daß das Bacteriorhodopsin wie eine lichtgetriebene Ionenpumpe funktioniert und machte damit erstmals die Umwandlung von Licht in biologisch verwertbare Energie einer näheren Untersuchung in einer reinen Substanz zugänglich. Diese Arbeiten werden von der Industrie mit aktivem Interesse verfolgt.

 

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1989

 

Prof. Dr. Horst Albach
(Koblenz)
hat sich durch sein wissenschaftliches Lebenswerk als Betriebswirt als großer Anreger seines Fachs ausgewiesen. Durch seine Arbeit zieht sich wie ein roter Faden das Bemühen, wissenschaftliche Erkenntnisse auch in die wirtschaftliche und wirtschaftspolitische Praxis zu überführen.

Prof. Dr. José L. Encarnação
(Darmstadt)
hat ein graphisches Programmiersystem entwickelt, das von größter wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Bedeutung ist und sich dank des Engagements und Geschicks seines Autors auch als internationaler Standard durchgesetzt hat.

Prof. Dr. Albrecht Fleckenstein
und Frau
Prof. Dr. Gisa Fleckenstein-Grün
(Freiburg)
haben ihr gemeinsames Lebenswerk der Untersuchung und pharmakologischen Ausarbeitung des von ihnen entdeckten Kalzium-Antagonismus gewidmet. Die auf der Grundlage dieser Forschungsergebnisse zum Teil von ihnen selbst mitentwickelten Medikamente haben ungezählten Menschen das Leben erleichtert oder sogar gerettet.