| 2009 |
Professor Dr. Franz Josef Giessibl
Inhaber des Lehrstuhls für Experimentelle und Angewandte Physik der Universität Regensburg, erhält den Beckurts-Preis 2009 für die Erfindung und Entwicklung eines Sensors, der Oberflächen mit atomarer Auflösung abtasten kann. Damit wurde die Basis für ein hoch auflösendes Mikroskop geschaffen. Der Sensor wird heute schon in zahlreichen Feldern eingesetzt, so etwa bei der dreidimensionalen Abbildung chemischer Kräfte oder der Messung elektrostatischer Kräfte, die durch die Ladung eines einzelnen Elektrons auf einem bestimmten Atom wirken.
Professor Dr. Eberhart Zrenner
Direktor des Forschungsinstituts für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Tübingen erhält den Beckurts-Preis 2009 für seine herausragenden Forschungsergebnisse in der Forschung, Entwicklung und klinischen Erprobung des weltweit ersten subretinalen elektronischen Netzhautimplantats. Es kann bei erblindeten Menschen Sehleistungen wiederherstellen, die bis hin zur Erkennung von Buchstaben und Wörtern reichen. Dabei wird ein Chip mit 1500 lichtempfindlichen Dioden, Verstärkern und Elektroden unter die Netzhaut eingepflanzt, der das Bild in ein Raster von elektrischen Impulsen umwandelt und über Netzhautneurone an das Gehirn weiterleitet.
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| 2008 |
Prof. Dr.-Ing. Ahmad-Reza Sadeghi
Universitätsprofessor am Lehrstuhl für Systemsicherheit der
Ruhr-Universität Bochum, erhält den Beckurts-Preis 2008 für
die Entwicklung von Konzepten zur praktischen Anwendung von Trusted Computing,
deren Nutzen sich auch in realen Anwendungen bereits bewiesen hat. Trusted
Computing ist eine aufkommende Technologie, die neue Wege eröffnet,
um die Sicherheit von Computerplattformen zu erhöhen. Ihr Ansatz
ist es, herkömmliche IT-Systeme um vertrauenswürdige Komponenten
zu erweitern. Professor Sadeghi erforschte mehrere Teilbereiche des Trusted
Computing. Ein von ihm entwickeltes Hauptkonzept bezieht sich auf die
so genannte eigenschaftsbasierte Attestierung, welche IT-Systemen ermöglicht,
Außenstehende von gegebenen Sicherheitseigenschaften des Systems
zu überzeugen. Sehr früh befasste sich die Arbeitsgruppe von
Prod. Sadeghi außerdem mit der Analyse und Verbesserung von Trusted
Computing Standards. Sie deckte Schwachstellen auf und veranlasste damit
die Hersteller der entsprechenden Hardwarebausteine, ihre Spezifikationen
zu verbessern. Prof. Sadeghi wirkt als einer der wenigen akademischen
Experten bei einer Integration in eine europäische ISO Norm mit.
Mit seinen Arbeiten hat er wesentlich dazu beigetragen, die fundamental
wichtige Thematik sicherer Betriebssysteme zu stärken. Seine Forschungsergebnisse
flossen bereits in eine mittlerweile auf dem Markt erhältliche Sicherheitsplattform
ein. Sadeghi ist einer der internationalen IT-Sicherheitsexperten, denen
es gelungen ist, in kürzester Zeit ein neues Forschungsgebiet zu
etablieren und zugleich einen Technologietransfer zu ermöglichen,
bei dem eine neue Schlüsseltechnologie bis hin zur Produktreife umgesetzt
werden konnte.
Prof. Dr. Thomas Scheibel
Professor am Lehrstuhl für Biomaterialien der Universität Bayreuth,
erhält den Beckurts-Preis 2008 für seine herausragenden Forschungsergebnisse
auf dem Gebiet der Biotechnologie, Biochemie und Protein-basierter Materialien.
Erstmals konnte dank der Arbeiten von Prof. Scheibel ein außergewöhnliches
Naturprodukt, die von Spinnen produzierten Spinnenseidenproteine, auf
biotechnologischem Wege hergestellt werden. Dieses in Festigkeit und Dehnbarkeit
außergewöhnliche faserförmige Naturmaterial ist stabiler
als die meisten Kunstfasern, ist biokompatibel und anti-allergen, hat
aber aufgrund fehlender geeigneter Produktionsverfahren bisher noch keinen
Einzug in Industrie und Technik gefunden.
Durch ihre innovativen Lösungsansätze konnte die Arbeitsgruppe
von Prof. Scheibel nun eine weltweit einzigartige Technologie entwickeln,
die eine großtechnische biotechnologische Produktion von - der natürlichen
Spinnenseide nachempfundenen - Seidenproteinen ermöglicht und zudem
eine Herstellung von Seiden mit definierten Eigenschaften erlaubt. Vor
kurzem hat dazu die Firma AMSilk GmbH, eine Ausgründung der Technischen
Universität München, deren Mitarbeiter Prof. Scheibel einmal
war, ihre Arbeit aufgenommen, um entsprechende Patente zu verwerten und
die industrielle Anwendung von Spinnenseide zu entwickeln.
Dies ist der Beginn einer vollkommen neuen Generation von umweltverträglichen
und innovativen Werkstoffen, die energiesparend und mit ausgeglichener
CO2-Bilanz hergestellt werden können. Der Bedarf dafür ist groß,
da die meisten industriell hergestellten Fasern einen beträchtlichen
Aufwand an Energie für Produktion und Fabrikation bedeuten.
Die Arbeiten von Prof. Scheibel sind von grundsätzlicher Bedeutung
für die Entwicklung und Anwendung maßgeschneiderter Protein-basierter
Werkstoffe und neuer Biomaterialien, in der Biotechnologie und der chemischen
Industrie.
Prof.
Dr. Peter H. Seeberger
Leiter der neu gegründeten Abteilung für Biomolekulare Systeme
am Potsdamer Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung
erhält den Beckurtspreis 2008 für die Entwicklung neuer Methoden
zur automatisierten Synthese komplexer Zucker-Antigene. Antigene sind
Stoffe, die von einer Zelle des Immunsystems als körperfremd erkannt
werden. Zucker- oder Eiweiß-Antigene treten auf der Zelloberfläche
von Bakterien, in der Hülle von Viren, in Allergie auslösenden
Pollen oder als Tumorzellen in Erscheinung. Lassen sich mit synthetischen
Zuckern gezielt Immunantworten auslösen, so können sie als Wirkstoffkandidaten
zur Vorbeugung oder Therapie von Infektionserkrankungen, Entzündungsreaktionen
und Krebs dienen.
Mit der automatisierten Kohlenhydrat-Synthese hat Prof. Seeberger die
Voraussetzungen für die Weiter- und Neuentwicklung von zuckerbasierten
Medikamenten und Impfstoffen geschaffen. Seine Arbeiten haben bereits
zu zahlreichen synthetischen Vaccinen geführt, die zuvor aus natürlichen
Quellen nicht in ausreichender Menge oder Reinheit isoliert werden konnten.
Mit klassischen Synthesetechniken hätte die Erzeugung dieser Vaccine
mehrere Jahre gedauert, dank der neuen von Prof. Seeberger entwickelten
Methode lassen sie sich nun in wenigen Stunden herstellen. Prof. Seeberger
ist Mitbegründer der Firma Ancora Pharmaceuticals, die die von ihm
entwickelte Technologie nun anbietet.
Die Grundlagenforschung wie auch die Entwicklung neuer Diagnostika und
Wirkstoffe können damit stark beschleunigt werden. Ein Beispiel ist
die Impfung mit einem Glykolipid des Malaria-Parasiten, dessen Wirksamkeit
von Prof. Seeberger in Tierversuchen nachgewiesen werden konnte. Weitere
Beispiele sind die chemische Synthese von Heparin und die Entwicklung
eines möglichen Impfstoffes gegen die Tropenkrankheit Leishmaniose.
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