Preisträger

Karl Heinz Beckurts-Preis 2008

By 28. November 2008Oktober 27th, 2019No Comments

Der diesjährige Preis geht an Prof. Dr.-Ing. Ahmad-Reza Sadeghi, Prof. Dr. Thomas Scheibel und Prof. Dr. Peter H. Seeberger.

Prof. Dr.-Ing. Ahmad-Reza Sadeghi
Universitätsprofessor am Lehrstuhl für Systemsicherheit der Ruhr-Universität Bochum, erhält den Beckurts-Preis 2008 für die Entwicklung von Konzepten zur praktischen Anwendung von Trusted Computing, deren Nutzen sich auch in realen Anwendungen bereits bewiesen hat. Trusted Computing ist eine aufkommende Technologie, die neue Wege eröffnet, um die Sicherheit von Computerplattformen zu erhöhen. Ihr Ansatz ist es, herkömmliche IT-Systeme um vertrauenswürdige Komponenten zu erweitern. Professor Sadeghi erforschte mehrere Teilbereiche des Trusted Computing. Ein von ihm entwickeltes Hauptkonzept bezieht sich auf die so genannte eigenschaftsbasierte Attestierung, welche IT-Systemen ermöglicht, Außenstehende von gegebenen Sicherheitseigenschaften des Systems zu überzeugen. Sehr früh befasste sich die Arbeitsgruppe von Prod. Sadeghi außerdem mit der Analyse und Verbesserung von Trusted Computing Standards. Sie deckte Schwachstellen auf und veranlasste damit die Hersteller der entsprechenden Hardwarebausteine, ihre Spezifikationen zu verbessern. Prof. Sadeghi wirkt als einer der wenigen akademischen Experten bei einer Integration in eine europäische ISO Norm mit. Mit seinen Arbeiten hat er wesentlich dazu beigetragen, die fundamental wichtige Thematik sicherer Betriebssysteme zu stärken. Seine Forschungsergebnisse flossen bereits in eine mittlerweile auf dem Markt erhältliche Sicherheitsplattform ein. Sadeghi ist einer der internationalen IT-Sicherheitsexperten, denen es gelungen ist, in kürzester Zeit ein neues Forschungsgebiet zu etablieren und zugleich einen Technologietransfer zu ermöglichen, bei dem eine neue Schlüsseltechnologie bis hin zur Produktreife umgesetzt werden konnte.

Prof. Dr. Thomas Scheibel
Professor am Lehrstuhl für Biomaterialien der Universität Bayreuth, erhält den Beckurts-Preis 2008 für seine herausragenden Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Biotechnologie, Biochemie und Protein-basierter Materialien. Erstmals konnte dank der Arbeiten von Prof. Scheibel ein außergewöhnliches Naturprodukt, die von Spinnen produzierten Spinnenseidenproteine, auf biotechnologischem Wege hergestellt werden. Dieses in Festigkeit und Dehnbarkeit außergewöhnliche faserförmige Naturmaterial ist stabiler als die meisten Kunstfasern, ist biokompatibel und anti-allergen, hat aber aufgrund fehlender geeigneter Produktionsverfahren bisher noch keinen Einzug in Industrie und Technik gefunden.
Durch ihre innovativen Lösungsansätze konnte die Arbeitsgruppe von Prof. Scheibel nun eine weltweit einzigartige Technologie entwickeln, die eine großtechnische biotechnologische Produktion von – der natürlichen Spinnenseide nachempfundenen – Seidenproteinen ermöglicht und zudem eine Herstellung von Seiden mit definierten Eigenschaften erlaubt. Vor kurzem hat dazu die Firma AMSilk GmbH, eine Ausgründung der Technischen Universität München, deren Mitarbeiter Prof. Scheibel einmal war, ihre Arbeit aufgenommen, um entsprechende Patente zu verwerten und die industrielle Anwendung von Spinnenseide zu entwickeln.
Dies ist der Beginn einer vollkommen neuen Generation von umweltverträglichen und innovativen Werkstoffen, die energiesparend und mit ausgeglichener CO2-Bilanz hergestellt werden können. Der Bedarf dafür ist groß, da die meisten industriell hergestellten Fasern einen beträchtlichen Aufwand an Energie für Produktion und Fabrikation bedeuten.
Die Arbeiten von Prof. Scheibel sind von grundsätzlicher Bedeutung für die Entwicklung und Anwendung maßgeschneiderter Protein-basierter Werkstoffe und neuer Biomaterialien, in der Biotechnologie und der chemischen Industrie.

Prof. Dr. Peter H. Seeberger
Leiter der neu gegründeten Abteilung für Biomolekulare Systeme am Potsdamer Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung erhält den Beckurtspreis 2008 für die Entwicklung neuer Methoden zur automatisierten Synthese komplexer Zucker-Antigene. Antigene sind Stoffe, die von einer Zelle des Immunsystems als körperfremd erkannt werden. Zucker- oder Eiweiß-Antigene treten auf der Zelloberfläche von Bakterien, in der Hülle von Viren, in Allergie auslösenden Pollen oder als Tumorzellen in Erscheinung. Lassen sich mit synthetischen Zuckern gezielt Immunantworten auslösen, so können sie als Wirkstoffkandidaten zur Vorbeugung oder Therapie von Infektionserkrankungen, Entzündungsreaktionen und Krebs dienen.
Mit der automatisierten Kohlenhydrat-Synthese hat Prof. Seeberger die Voraussetzungen für die Weiter- und Neuentwicklung von zuckerbasierten Medikamenten und Impfstoffen geschaffen. Seine Arbeiten haben bereits zu zahlreichen synthetischen Vaccinen geführt, die zuvor aus natürlichen Quellen nicht in ausreichender Menge oder Reinheit isoliert werden konnten. Mit klassischen Synthesetechniken hätte die Erzeugung dieser Vaccine mehrere Jahre gedauert, dank der neuen von Prof. Seeberger entwickelten Methode lassen sie sich nun in wenigen Stunden herstellen. Prof. Seeberger ist Mitbegründer der Firma Ancora Pharmaceuticals, die die von ihm entwickelte Technologie nun anbietet.
Die Grundlagenforschung wie auch die Entwicklung neuer Diagnostika und Wirkstoffe können damit stark beschleunigt werden. Ein Beispiel ist die Impfung mit einem Glykolipid des Malaria-Parasiten, dessen Wirksamkeit von Prof. Seeberger in Tierversuchen nachgewiesen werden konnte. Weitere Beispiele sind die chemische Synthese von Heparin und die Entwicklung eines möglichen Impfstoffes gegen die Tropenkrankheit Leishmaniose.